Geschichtliches über den Dünsberg !

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Geschichtliches über den Dünsberg !

Beitrag  Yellow5 am Di 2 Aug 2011 - 22:47

Ich habe eben diesen Artikel im Netz entdeckt, und dachte mir das der ein oder andere mal etwas geschichtliches von unserem Hausberg wissen möchte.
Viel Spass beim lesen!

Yellow5

Dünsberg
Am Südkreuz Gießen auf B 29, Anschlußstelle Wettenberg, geradeaus nach Wettenberg (Datei „ Krofdorf-Gleiberg“), am nördlichen Ende von Krofdorf Richtung Salzböden links ab, etwa einen Kilometer zum Fohnbachtal, von dort wieder direkt in den Ort, an der Kirche rechts, an Vetzberg vorbei nach Biebertal-Rodheim (Datei „Biebertal“). Von Biebertal-Rodheim fährt man über Fellinghausen und dann an der Gabelung links zum Parkplatz Dünsberg auf der linken Seite.

Führungsblatt 60
Weithin das Umland beherrschend, erhebt sich im Gladenbacher Bergland als Ausläufer des Westerwaldes die mächtige Kuppe des Dünsbergs. Aufge­baut aus Kieselschiefern des Kulm, überragt er mit seiner Höhe von fast 500 Metern die Siedlungslandschaft des Marburg-Gießener Lahntals. Der An­blick dieses großartigen Berges, seine natürlichen Gegebenheiten machen verständlich, daß er zu verschiedenen Zeiten der Vor- und Frühgeschichte als naturbestimmter zentraler Ort besiedelt und befestigt wurde.
Am nordwestlichen Rand des Gießener Beckens, am Übergang zu den Ausläufern des Rothaargebirges liegt der Dünsberg in der Gemeinde Biebertal. Mit seiner Höhe von 499 Meter dominiert der kegelförmige Berg die Region Mittelhessen. Der Anblick dieses großartigen Berges und seiner natürlichen Gegebenheiten machen verständlich, dass er zu verschiedenen Zeiten der Vor- und Frühgeschichte als naturbestimmter zentraler Ort besiedelt und befestigt worden ist.

Um den Berg ranken sich viele Sagen. Denn auf dem 498 Meter hohen Dünsberg bei Bibertal (Kreis Gießen) lag einst eine der bedeutendsten spätkeltischen Siedlungen: ein Oppidum, eine befestigte, stadtartige Anlage, die ihre größte Ausdehnung vermutlich im letzten Jahr hundert vor Christus hatte. Auf dem rund 90 Hektar großen Areal mit drei Befestigungswällen und 14 Toren lebten mehrere tausend Einwohner - für die damalige Zeit großstädtische Verhältnisse.
Das Oppidum lag nahe an der Grenze, bis zu der die Römer in Germanen vordringen konnten. Und so wird zum Beispiel überliefert, dass sich Germanen und Römer im „Dünsbergrund“ im oberen Biebertal, eine gewaltige Schlacht lieferten. Zwar seien die Römer zu Beginn des Kampfs zahlenmäßig überlegen gewesen, doch die germanischen Krieger hätten kurz vor der Niederlage Verstärkung bekommen und deshalb die römische Armee besiegen können. Seitdem werde das ehemalige Schlachtfeld Todmal und der Hügel, von dem die Verstärkung kam, Helfholz genannt. In jedem Fall ist die Siedlung die einzige bekannte keltische Befestigung, die bis zum kulturellen Umbruch zur römischen Kaiserzeit existierte. Vermutet wird heute, daß die Kelten im Jahre zehn vor Christus hier ihre letzte Schlacht gegen den aus Main anrückenden Feldherren Drusus geschlagen haben.
Seit drei Jahren wird mit groß angelegten Ausgrabungen auf dem Dünsberg den Spuren der Kelten nachgeforscht. Die Ergebnisse der Grabungen sind seit September in Wetzlar dokumentiert. In der Ausstellung „Dünsberg - Keltenmetropole an der Lahn“ werden rund 150 ausgewählte und restaurierte Fundstücke sowie Leihgaben aus ganz Deutschland gezeigt. Darunter sind Werkzeuge, Schmuck und Waffen von Römern und Kelten. Rekonstruktionen, Videofilme und Computerpräsentationen geben außerdem einen Einblick in das Alltagsleben der Kelten.
Die Ausstellung soll nicht nur eine Bestandsaufnahhme dessen sein, was wir inzwischen vom Dünsberg aus keltischer Zeit wissen, sagte Kurator Christoph Schlott von Terra Incognita (Institut für kulturgeschichtliche Medien in Frankfurt) bei der Eröffnung. Sie solle vielmehr neugierig machen auf eine verlorene Welt, die genau da vor mehr als 2000 Jahren existierte, wo heute Wälder stehen oder sich Neubaugebiete erstrecken. Ein Konzept, das in Wetzlar wohl aufgegangen ist. Mit bislang rund 3900 Besuchern seit September ist die Ausstellung laut der Wetzlarer Stadtverwaltung ein voller Erfolg.
Die Ausstellung im Stadt- und Industriemuseum Wetzlar (Lottestraße 8-10) ist täglich außer Montag von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen können unter Telefon 06441/99269 vereinbart werden. Eintritt 3 Mark Die ausstellungsbegleitende Dünsberg-Illustrierte kostet 7,80 Mark

Anders als die keltischen Ringwälle am Altkönig im Tau­nus oder dem pfälzischen Donnersberg wurde die Anlage auf dem Dünsberg früher nie eingehend erforscht. Dabei wird das Verteidigungssystem als noch bedeutsamer angesehen, und das nicht nur, weil hier, anstatt der üblichen zwei, ein dritter Ringwall mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer den Gip­fel umzieht. Vor allem gilt das darin liegende Oppidum als die einzige rechtsrheinische Siedlung der Kelten, die so lange bestand, daß deren Bewohner in unmittelbaren Kontakt mit den Römern kamen.
Diese Annahme konnte durch archäologische Funde in der näheren Umgebung untermauert werden, so mit dem erst kürzlich freigelegten, fünf Kilometer entfernten römischen Lager bei Lahnau-Waldgirmes. Letzte Zweifel beseitigten die von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts veranlaßten Grabungen. Dabei konnten zahlreiche Funde wie Lanzenspitzen, Schildbeschlä­ge oder Reste eines Pferdegeschirrs gesichert werden. Alles deutet auf einen militärischen Zusammenstoß zwischen Römern und Kelten.
Dort oben sie­delten auf 90 Hektar Kelten hinter ‑ noch teilweise erhaltenen ‑ Ringwällen. Drei Wall­ringe, die Überreste verfallener Mauern, umziehen den Berg, jeweils in etwa den Höhenlinien folgend. Ihre Ausmaße und die Gesamtausdehnung der Anlage, de­ren äußerer Wall die Fläche von über 90 Hektar umschließt, , zeigen deutlich, daß wir hier vor einem der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mittel­europäischer Vorzeit stehen.
Es ist im einzelnen noch nicht erforscht, wie die Mauern des Dünsbergs konstruiert waren.
Auf jeden Fall waren sie Holz-Stein-Erde-Mauern mit tragendem Pfosten-Balken-Gerüst, Verblendung der Front oder der Fronten mit Trockenmauern und Füllung des Mauerkörpers oder Aufschüttung einer Rampe mit Steinen und Erde.
Sicher waren sie im Lauf der Jahrhunderte von der späten Bronzezeit im 8. Jahrhundert vChr über die spätkeltische Zeit im 2./1. Jahrhundert vChr bis in alamannische Zeit im 5. Jahrhundert nChr in verschiedener Art, jeweils nach dem Stand der Wehrtechnik gebaut. Für den Zeitraum der größten Ausdehnung und Blüte der Bergbefestigung, das spätkeltische Oppidum, ist eine sogenannte Pfostenschlitzmauer (Typ Kel­heim) anzunehmen und nach den neuesten Grabungen für den äußeren Wall nachgewiesen. Sie bestand aus mächtigen Pfosten, eigentlich großen Baum­stämmen, die im Abstand von 1,50-3,00 Meter in den Boden gesetzt waren. Die Zwischenräume waren mit als Trockenmauer aufgesetzten Bruchsteinen ausgefüllt und dahinter eine breite Erdrampe angeschüttet, davor lag ein Graben.
Auf dem Dünsberg liegt ein spätkeltisches Oppidum, eine jener großen stadtartigen Anlagen der keltischen Welt, die Hauptorte von Stämmen oder Stammesteilen waren und in denen sich Ver­waltung, Handel, Münzprägung, Gewerbe wie auch Kult und Religion konzentrierten. Von der Innenbesiedlung zeugen in großer Zahl künstliche Verebnungen an den Hängen (Podien), auf denen Baulichkeiten standen. Mit dem äußeren Wall hat sich die um mauerte Fläche gegenüber den älteren Burgen fast verdreifacht, einbezogen sind jetzt die Bergausläufer des Kleinen Dünsbergs im Nordwesten und vielleicht - unfertig geblieben - des Hinteren Bulenkopfes im Südwesten.
Es gab etwa 1.000 Wohnpodien (kleine eingeebnete Fläche an den Berghängen), die auf eine Einwohnerzahl von mehr als 1.000 Menschen bis hin zu 10.000 schließen lassen. Das Kerngerüst der Häuser bestand aus mächtigen Holzpfosten, die in den Boden eingegraben wurden. Die Löcher haben sich als Erdverfärbungen im Boden erhalten. Am Ostsporn wurden Pfostenlöcher mit einem Abstand von 2,50 x 2,50 Meter gefunden. Ein solches Lagerhaus wurde im sogenannten „Keltenhof“ rekonstruiert.

Am Parkplatz geht man durch ein nachgebautes keltisches Tor, das vom Dünsberg-Verein mit finanzieller Förderung durch das Land Hessen und die Gemeinde Biebertal errichtet wurde. Das Keltentor ist die freie Rekonstruktion eines Tangentialtores unter Berücksichtigung aktueller Ausgrabungsergebnisse von Tor 4. Neben dem touristischen Aspekt sieht der Dünsberg-Verein das Tangentialtor als Beitrag, die Leistung der damaligen Bewohner und die historische Bedeutung des Dünsbergs einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Oberhalb steht der Keltenhof mit vielen Informationen zum Dünsberg und zum Leben der Kelten. Dann geht es immer auf der geteerten Straße weiter, die hier auch archäölogischer Rundweg und Kunstweg ist.
Durch den Archäologischen Wanderweg wird eines der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mitteleuropäischer Vorzeit erschlossen. Im Jahre 1986 ist dieser Rundwanderweg vom Dünsberg-Verein in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, dem Forstamt Biebertal und der Gemeinde Biebertal eingerichtet worden. Unter dem Stichwort „Celtic Art“ haben 2002 die Revierförsterei Königsberg und der Dünsberg-Verein einen Skulpturenweg entlang des Archäologischen Wanderweges angelegt.

Das erste Ziel ist der Schulborn, für den schon eine Anbindung an die frühlatènezeitliche Befestigung des mittleren Walles ver­mutet werden kann. Der Schulborn (sul = Lache) ist eine der beiden großen Wasserstellen innerhalb des befestigten Bereichs. Er liegt jetzt in einer winkligen Ausbiegung des äußeren Walles. Grabungen in dem Wasserreservoir erbrachten den Nachweis eines aus Holz sorgfältig gebauten großen Wasserreservoirs von 13,08-13,50 Meter Länge und 4,20-4,55 Meter Breite, das ein älteres kleineres Bassin und verschiedene Brunnenschächte überlagerte. . Die Wände dieses Beckens bestanden aus Pfosten und Bohlen, wobei die Bohlen in Falze in die Pfosten eingelassen waren.

Hier am Schulborn trifft man auf den äußeren Ringwall. Er wurde in der Mittellatènezeit (Mitte des 2./1. Jahrhundert vChr.) begonnen und in der Spätlatène­zeit vollendet. Die Datierung erfolgt nach Ausdehnung, Funden und den typischen Zangentoren.
An Tor 7 ist die Zangenform nur noch undeutlich zu erkennen. Tor 7 ist wahrscheinlich eines der für die befestigten Anlagen der Spätlatènezeit typischen Zangentore. An dieser Stelle biegt der Wall nach Nordwesten aus, um den Kleinen. Dünsberg in die Befestigung einzuschließen. Ein „Strahlenwall“ begleitet die Mauer eine weite Strecke und zieht nach Norden tief den Berg hinab.
Hier beginnt der Aufstieg zum mittleren Wall, der bei der Erläuterungstafel gekreuzt wird. Am Steilhang des Berges ist die Befestigungslinie meist nicht mehr als Wall erhalten, sondern nur noch als Terrasse sichtbar, auf der heute teilweise Wege verlaufen. Im Schnitt dicht nördlich dieser Stelle findet sich dafür ein deutliches Beispiel. Ob der Mauer an den Steilhängen ebenfalls ein Graben vorgelagert war, ist nicht sicher.
Der Befund östlich von Tor 8 (das man auf dem Rundweg nicht erreicht) mit dem talwärts zielenden Wall legt nahe, daß die Quelle des Schulborns durch später wieder aufgegebene Annexwälle in die Befestigung des mittleren Walles einbezogen war, wie es von anderen zeitgleichen Beispielen bekannt ist. Der Bau dieses Wallringes erfolgte viel­leicht in der Späthallstatt-Frühlatènezeit um 500 v.Chr., die mit den frühen Kelten zu verbinden ist; allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Sicher bestand er in der entwickelten Frühlatènezeit am Ende des 4./Beginn des 3. Jahrhunderts v.Chr., aus der vom ummauerten Ostsporn des Berges die meisten Funde stammen.
Auf der Höhe von Tor 13 sieht man dann schon den inneren Ring. Dieser im Oval die Bergkuppe umziehende Wall ist wahrscheinlich erstmals in der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit im 5. Jahrhundert v.Chr., in unbekannter Bauweise angelegt und später immer wieder erneuert und ausgebaut worden. Starke Brandspuren zeigen, daß in ihm mehr Holzwerk verbaut wurde, als für eine Pfostenschlitzmauer notwendig wäre. Auf­fällig ist der kräftige Materialgraben hinter dem Wall, aus dem Erde und Steine für den Mauerbau entnommen wurden.
Der Ring ist besonders gut zu erkenn, wo ihn die Teerstraße schneidet. Diese führt dann im Bogen auf den Gipfel. Links sieht man den Fernsehturm, rechts eine Lichtung mit Liegestühlen und schöner Aussicht. Das letzte Stück geht man direkt zum Plateau mit Tischen und Bänken und einem kleinen Spielplatz. Der Kiosk ist Mittwoch, Samstag und Sonntag geöffnet und bietet auch Speisen an. Auf den alten Aussichtsturm kann man hinaufsteigen (rund 80 Stufen zur unteren Plattform) und hat eine herrliche Rundumsicht.

Beim Abstieg geht man den Fußweg direkt hinunter zum inneren Ring mit Tor 12. Hier kann man besonders gut sehen, daß der innere Wall eine sechs bis acht Meter hohe Außenböschung hat. Das Tor ist wie die meisten Tore der anderen Wälle ein sogenanntes „Tangentialtor“ mit gegeneinander ver­setzten Wall-Enden. Man geht (oberhalb) am Wall entlang und kommt zum zweiten Tor des inneren Walls, dem Tangentialtor 13.
Es geht hinunter zur Teerstraße, die gekreuzt wird. Der Weg führt hinunter zu Tor 14 oberhalb des mittleren Walls. Dieser scheint ursprünglich wie der innere ein geschlossenes Oval gebildet zu haben. Darauf deutet ein Wallrest im Nordosten mit dem Tangentialtor 14 hin. Erst zu einer späteren Zeit ist dann offenbar der weit vorspringende Ostsporn umschlossen und die Wallführung verändert wor­den.
Der mittlere Wall umschließt in diesem Bereich den nach Osten ragenden Geländeporn mit Tor 9. Von einer älteren Mauerführung stammt offenbar das hier liegende Wallstück mit Tor 14.
Auf dem Geländesporn wurden vor allem Fundstücke aus spätrömischer und frühgeschichtlicher Zeit gefunden. Danach hatte der Dünsberg auch zu diesen Zeiten noch Bedeutung als Mittelpunkt für das Umland und trug wahrscheinlich eine alamannische Gauburg als Sitz eines Kleinfürsten.

Etwas weiter unten (zweimal rechts gehen) trifft man auf den mittleren Wall. Er liegt tiefer am Berg und führt teilweise an Steilhän­gen. Hier sind die Mauerreste abgestürzt und der Wall ist nur noch als Terrasse erhalten. An diesem Wall geht man nun auf der Fortstraße abwärts.
Man kommt zu Tor 10 und Tor 11. Der Weg macht jetzt eine starke Linkskurve zum Tor 5. Von hier könnte man noch einen Abstecher zu Tor 6 (einem Zangentor) und zur Quelle am hinteren Eulenkopf machen. Diese dritte, heute hangabwärts verlagerte Quelle lag vor Tor 6 hinter dem Strahlenwall bzw. dem zum Hinteren Eulenkopf führenden Wall. Wieweit sie in die Befestigung eingebunden war, ist noch unklar. Man kann diese Stelle aber auch auslassen.
Der Weg führt dann weiter zu Tor 4 (ein Zangentor) und Tor 3. Von dort geht man hinunter zum Grinchesweiher. Am Grinchesweiher wurde ein noch größe­res Reservoir als am Schulborn angegraben. Hier sieht man schon im Verlauf der Annexwälle, die die Quelle einschließen, zwei Bauperioden. Ein älterer Annex setzt nörd­lich von Tor 3 an und führt in rechtem Winkel nach Norden zum Wall zurück. Er wird überlagert und abgeschnitten von einem jüngeren Annex, der in sanf­tem Bogen dem Wall vorgelagert ist und zu dem Tor 3 den Zugang bildete. Man kann aber auch geradeaus weiter gehen und dann wieder hinunter zum Parkplatz (zum Tor 2 und 1 kommt man dann nicht, sonst müßte man noch einmal zum Schulborn gehen).

Ungeklärt in ihrer Bedeutung sind die sogenannten Strahlenwälle, die vorzugsweise vor den Toren ansetzen und den Berghang hinunterziehen. Sie können nicht sämtlich dazu gedient haben, weitere Geländeteile der Befestigung hinzuzufügen - wie es noch für einen Wall (oder Ackerrain?) vermutet wird, der östlich von Tor 4 abgeht und zum südlichen Sporn mit Geschützständen aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) hinführt. Eine abgeschlossene, noch nicht bearbeitete Neuvermessung wird hier vielleicht Klärung bringen.

Überblicken wir die Geschichte des Dünsbergs, so reichen einige steinzeit­liche Funde - darunter eine Scherbe der Michelsberger Kultur - und ein Radnadelfragment der Hügelgräberbronzezeit nicht aus, um für diese Zeiten eine dauerhafte Besiedlung anzunehmen. Das Gipfelplateau wird in der Ur­nenfelderzeit besiedelt und wohl auch befestigt. Eine Befestigung der Spät­hallstatt-Frühlatènezeit ist höchstens zu vermuten, vielleicht schon mit der älteren Wallführung des mittleren Ringes.
Bronzezeitliche Burg?
Im Jahre 1999 hat die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt am Main mit Ausgrabungen an Tor 4 begonnen. Vielfältige Funde von keltischen und teilweise auch römischen Waffen und Gegenständen erschließen bessere Kenntnisse zur Geschichte des Dünsbergs. Trotz der Forschungen gerade in den letzten Jahren hält unsere Kenntnis unserer Bewunderung allerdings kaum Schritt.
Grabhügel am Südhang des Dünsbergs und einzelne Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit deuten darauf hin, dass schon vor den Kelten Menschen in irgendeiner Form den Berg nutzten.
Doch erst im 8. Jahrhundert vChr, am Ende der Bronzezeit, entstand auf der Bergkuppe anscheinend eine Art Burganlage. Zumindest wird das aus Keramik- und Metallfunden geschlossen. Die besondere Erhaltung des obersten Walls mit seiner heutigen Höhe von bis zu 10 Metern und relativ viele Reste verbrannten Holzes sind Indizien für eine massive und wuchtige Holz-Erde-Verbauung.
Wer jedoch die Erbauer waren, wissen wir nicht - frühe Kelten?

Von der Höhenburg zum Oppidum
Die Datierung des mittleren Walles ist ungewiss. Der Bau erfolgte vielleicht in der Späthallstatt-/Frühlatènezeit um etwa 500 vChr, allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Möglicherweise bestand er bereits am Ende des 4./ Beginn des 3. Jahrhunderts vChr, sicher jedoch im 2. Jahrhundert vChr, aus welchem der Ostsporn die meisten Funde geliefert hat.
Seit dieser Zeit ist der Dünsberg eine keltische Stadtanlage.
Etwa gleichzeitig werden auch andere Berge im Lahn-Dill-Gebiet mit Befestigungen versehen. Eine keltische Regionalkultur bildet sich heraus - wahrscheinlicher Hintergrund: Örtlicher Eisenerzabbau und -verhüttung.
Mit dem Bau des untersten Walles in der Mittellatènezeit etwa um 100 vChr vollzog sich vermutlich die Vergrößerung der Siedlung zum „Oppidum“. Mehrere tausend Fundstücke sind Indizien für eine deutliche Zunahme der Bevölkerung.

Landwirtschaft, Handwerk, Handel
Das Oppidum auf dem Dünsberg war eine Stadt der Bauern. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte vermutlich als Selbstversorger mit geringen Überschüssen, so dass davon die Handwerker „bezahlt“ werden konnten. Trotzdem dürften in der Blütezeit Bauernhöfe der Umgebung zugeliefert haben.
Die Gesellschaft der Kelten war also eine agrarische Gesellschaft. Pflugschare, Hacken und Sensen aus Eisen, die am Berg gefunden wurden, sind dafür direkte Beweise. Die Felder trugen vermutlich vor allem Gerste, seltener Emmer und Hirse.
A1s Nutztiere für die Versorgung I Fleisch, Horn und Leder wurden vor allem Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehalten. Das legt auch das Grabungsergebnis aus anderen keltischen Städten nahe.
Viele Tätigkeiten, die heute als „Beruf“ etabliert sind, waren in keltischer Zeit „Hausfrauen- oder Hausmannsarbeit“, da sie von Jedermann und mit leicht zu beschaffenden Materialien ausgeführt werden konnten: Weben, spinnen, nähen, Möbel bauen, Schuhe anfertigen, Jagdwaffen herstellen, jagen, schlachten.
Arbeiten, die vor allem mit einer aufwendigen Technik und einer besonders schwierigen Rohstofflage zusammenhingen, erforderten schon in keltischer Zeit professionelle Handwerker: Schmiedearbeiten (Eisen, Bronze, Silber, Gold), Töpferei, Schmuck- und Geräteherstellung, Schnitzarbeiten, Köhler, Emmailleure.
Rund 300 Münzen sind vom Dünsberg aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten bekannt. Sie bestätigen, dass bereits in vorrömischer Zelt die einheimischen Kelten Geldwirtschaft mit Gold-, Silber- und Kupfermünzen und damit auch Handel betrieben. Anhand der Münzfunde lassen sich Handelskontakte nach Süddeutschland, nach Böhmen, sowie Mittel- und Nordfrankreich, aber auch in das nähere Umfeld des Dünsbergs, z.B. das Heidetränk-Oppidum im Taunus belegen. Was hatte der Dünsberg als Handelsgut zu bieten? Wahrscheinlich Felle, Leder, Roheisen.

Eisenland am Dünsberg
Seit mehr als 2000 Jahren bildet der heimische Raum eines der bedeutendsten Montanzentren im Lahn-Dill-Gebiet. Am südlichen und westli8chen Fuß des Dünsbergs und in den angrenzenden Hügeln befinden sich reiche Eisenerzvorkommen. Der Abbau des Eisenerzes erfolgte vermutlich im Tagebau. In „Rennnöfen“ wurde das Eisenerz geschmolzen und anschließend zu Barren verarbeitet. Spezielle Essenschmiede übernahmen danach die Weiterverarbeitung. Zum Schmelzen des Erzes waren große Mengen Holzkohle erforderlich, die Köhler in Kohlenmeilern erzeugten.
Da das Ganze eine „feuergefährliche“ Angelegenheit und auch mit Geruchsbelästigungen verbunden war, ist davon auszugehen, dass die Köhlerei und die Schmelze außerhalb der Höhensiedlung in einiger Entfernung von den Wohnhäusern stattfand.
Die Weiterverarbeitung, also das Schmieden des Eisens, könnte durchaus dann ein „innerstädtisches“ Handwerk gewesen sein.
Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Erzgewinnung im Umfeld des Dünsbergs eine erneute Blüte. Elsenerzgruben wie „Elennore”, „Elisabeth”, „Königsberg”, „Abendstern“, „Morgenstern” und „Friedberg”, letztere in unmittelbarer Nähe des heutigen Hotels „Keltentor“ bei Fellingshausen stellen für erfolgreiche einhundert Jahre heimischer Industriegeschichte. Im Jahre 1963 wurde die letzte Schicht in der Grube „Königsberg“ gefahren.

Mit der entwickelten Frühlatènezeit (Latène B 2) setzt jedenfalls eine dichtere Besiedelung ein und der mittlere Wall hat zu dieser Zeit sicher bestanden. Ob eine Siedlungskontinuität zum Oppidum der Mittel-Spätlatènezeit (Latène C 2-D 2) vorhanden oder dies eine Neugründung war, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Das Ende des Oppidums dürfte nach zahlreichen neuen Funden mit einer Zerstörung durch römische Truppen wahrscheinlich bei einem Feldzug des Drusus in den Jahren 10/9 v.Chr. gekommen sein. Nach der vernichtenden Varusschlacht haben sich, vermuten die Wissenschaftler, die Römer auf ihre ausgebauten Linien zurückgezogen. Einer Bedrohung ihrer Vorposten wie bei Waldgirmes wurde mög­licherweise präventiv begegnet. Ein direkter Zusammen­hang mit den neu entdeckten römischen Anlagen im Lahntal aus - späterer - augusteischer Zeit ist allerdings derzeit nicht zu belegen (Waldgirmes). Jedenfalls spielte entgegen älterer Meinung der Berg, als fast 100 Jahre später unter Domitian der Wetteraulimes ange­legt wurde, schon lange keine Rolle mehr. Auch nach dem Limesbau duldeten die Römer keine Besiedlung mehr am Dünsberg. Das Oppidum verfiel. Sicher ist, dass das Oppidum zur Zeit des Römerlagers in Dorlar und des Römerforums in Waldgirmes, also seit 10 v. Chr., keine für die Römer gefährliche Bedeutung mehr hatte.
Noch einmal ins Licht der Geschichte tritt der Dünsberg in spätrömischer Zeit, als nach dem Fall des Limes um 260 n.Chr. die Alamannen im Lauf der Jahrzehnte das Land besiedelten. Dichte Fundstreuung auf dem Ostsporn spricht für eine alamannische Gauburg des 4./5. Jahrhunderts, den Sitz eines Kleinkönigs, die mit dem Ausgreifen der fränkischen Macht um 500 ihr Ende fand. Einige merowingerzeitliche Funde des 7. Jahrhunderts lassen sich in ihrer Bedeutung für die Geschichte des Berges noch nicht abschätzen.

Auf der Straße geht es dann weiter nach Frankenbach, links ab nach Erda, wieder links ab nach Hohensolms. Die Zufahrt zum alten Otsteil ist gleich am Ortseingang links zur Evangelischen Jugendburg. Nach dem Ort geht es wieder links ab nach Bieber und dann entweder über Waldgirmes (Datei „Waldgirmes“) weiter oder direkt nach Wettenberg und zum Gießener Ring oder über Dorlar, Atzbach (Achtung: nicht nach Kinzenbach), Heuchelheim Autobahn.
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